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Das Jagstheimerhaus
als Marienapotheke
Apotheker Johann
Michael Schiller war geboren zu Windsheim, 27. Mai 1763, und war seit
1785 Apotheker der Mohrenapotheke, Ecke Schmiedgasse-Hafengasse, die
schon 1600 von Georg Schwarzmann gegründet und von ihm und seinen
Nachkommen zu großem Aufschwung gebracht worden war. Auch Schiller
wußte sie zu neuer Geschäftsblüte zu heben. Da aber
der Apotheker der Löwenapotheke, Ludwig Schwerdfeger, mit Schulden
schwer belastet nur geringen Umsatz hatte, war er gezwungen, die Apotheke
abzugeben. Schiller tauschte mit ihm, 9. Januar 1809. Mit seiner großen
Kundschaft brachte er sie rasch wieder in die Höhe. - 1812 erwarb
er das Hanselmann'sche Kaufhaus Nr. 74 am Markt und richtete hier eine
Apotheke auf, die er wegen der Marienbildes unter dem Erker Marienapotheke
benannte. (Die Mohrenapotheke war eingegangen!) Zum dritten Male brachte
er hier eine Apotheke in Blüte -
Schiller war eine geistig regsame Persönlichkeit. Schon 1790 veröffentlichte
er in Nürnberg pharmazeutische Aufsätze. 1791 die "Geschichte
eines Apothekers" in Frankfurt und Leipzig. 1821 schrieb er ein
Werk: "Wie Apothekerbücher in zweckmäßigem Zustand
verfaßt werden sollen". Auch als Bürger der Stadt er
besonders zur Zeit der nationalen Erhebung 1813 hervor. - Der vaterländisch
gesinnte Mann wurde zum "Major der städtische Nationalgarde"
erhoben. Am 24. April 1825 starb er. In der Zwischenzeit wurde das Jagstheimerhaus
einmal gründlich überholt und dabei dem Zeitgeist entsprechend
in ein barockes Gewand gekleidet. Der Erker, der in dem Kupferstich
von J. Friedrich Schmidt 1760 noch mit gotischem Dach versehen war,
bekam ein Kuppeldach. Dem barocken Geist entsprechend, wurde leider
dann auch das wunderbare Fachwerk übertüncht; Wer diese Veränderung
vornehmen ließ, ist nicht bekannt.
Von 1826 bis 1863 betrieb Friedrich Weiler die Apotheke.
Von 1863 bis 1878 Heinrich Weißbecker. Dieser arbeitete nebenbei
viel im Archiv der Stadt und betrieb Forschungen über die Stadtgeschichte
und besonders über die Wappenkunde. Er schrieb auch eine Geschichte
der Apotheker, die Zeit von 1374 bis 1830 umspannend.
Von 1892 bis 1913 Hermann Mayer, und
von 1913 bis 1954 Max Kappes.
Als vor 100 Jahren - 1858 - Carl Spitzweg auf seiner Sommerreise hierher
kam, war die Apotheke schon verputzt, aber der barocke Erker, der Herterichbrunnen
und der zum Himmel aufragende Doppelbau des Rathauses haben ihn tief
beeindruckt. In seinem Skizzenbuch, heute in der Staatlichen Graphischen
Sammlung München zu finden (Skizzenbuch 15, 32) trug er das Bild
ein. Und 20 Jahre später - als er "den verliebten Apothekerprovisor"
malte, da holte er aus seiner Erinnerung das Bild der "Marienapotheke
Rothenburg" hervor und stellte sie als buntfarbige, barocke Kulisse
hinter den lebhaft bewegten, begeisterten Diener am Arzneien-Mörser.
Ein unvergeßliches Bild. So ging die Marienapotheke in das Reich
der ewigen Kunst ein.
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