Ein historisches Mosaik, Teil 4: 30jähriger Krieg I
 

Das Haus als Wohnung des Bürgermeisters Nusch im 30jährigem Krieg I

Georg Nusch, *1588, †1668, brachte das Jagstheimersche Haus wieder in den Mittelpunkt Rothenburgischen Geschehens.
Er wurde geboren als Sohn des Leonhard Nusch, Gastgeber zum Rothen Hahn, und Herr des Aeußeren Rats und der Frau Magdalena, das zehnte Kind des Vaters, das 5. Kind der Mutter, dem noch 7 Kinder folgten. So wuchs er in einem kinderreichen Hause auf, verlor als Zwölfjähriger seinen Vater (1601); aber die Mutter führte nicht nur eine gute Wirtschaft (Untere Schmiedgasse 2), sondern auch eine gute Hauszucht. Er besuchte die Lateinschule mit besonderer Auszeichnung. Den Fünfzehnjährigen nahm Dr. Prenner, Rechtsberater der Stadt, in seine Schreiberei zum Studium der Rechtspraxis auf. 1606 erbat sich der Kanzler des Oettingischen Grafenhauses den Rechtspraktikanten Nusch als Helfer. Als der Kanzler 1607 starb, ließ sich Nusch in Oettingen nicht mehr halten, sondern ging mit Joh. Georg Völcker an die Universität Altdorf und im nächsten Jahr nach Tübingen. 1609 gewann ihn der Oberamtmann von Hohentrüdingen, Brandenburgischer Rat, als Präzeptor nach Lauingen für drei junge Adelige, wo er im Umgang mit hochstehenden Herren, z.B. dem Herrn Dr. Heibrunner, dem Berater des Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Neuburg und anderen Akademikern und Hofleuten in die Fragen der bewegten Zeit, in die gesamtdeutschen Fragen wie auch in das vornehme Leben der hohen Gesellschaftskreise bestens eingeführt wurde.
1612 reiste er mit seinen drei adeligen Zöglingen und einem Diener nach Straßburg, um seinen Gesichtskreis noch mehr auszuweiten und nach einigen Monaten über Lothringen und die Champagne nach Paris, das durch den König Heinrich IV. zu einem Mittelpunkt des europäischen Geschehens geworden war. Hier schloß sich ihnen ein österreichischer Freiherr von Auersperg an, mit dem sie über Orleans an die berühmte Universität Angers reisten, wo sie 20 Monate bei den Studien verweilten, nebenbei aber wie schon immer das ganze Land durchstreiften, um französische Kunst und Lebensformen zu erleben. 1614 gingen sie in Begleitung weiterer freiherrlicher Studiengenossen über Rochelle nach Bordeaux, Montpellier, Marseille, Avignon und Lyon, wo sie wieder drei Monate verweilten, dann über Genf und andere Städte der Schweiz und nach Augsburg, wo Nusch dann 1615 nach fast 3jähriger Reise seine Schüler an ihre dankbaren Eltern zurückgab. Die Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen seiner Bildungsreise hatte er schriftlich niedergelegt. Man wollte ihn alsbald, da er sich als Pädagoge junger Leute so trefflich bewährt hatte, wieder zu einer neuen Bildungreise mit anderen Adeligen gewinnen. Aber er ließ sich nicht fesseln, sondern folgte der Sehnsucht nach seiner Mutter und seiner Vaterstadt Rothenburg. Hier hielt man nun den 28-Jährigen fest, indem man ihn zu der 42jährigen, gereiften Maria Salome, geb. Schnepf, verwitweten Husel führte, die er im Februar 1617 ehelichte und dadurch der Hausherr des Jagstheimer'schen Hauses wurde. Ausgestattet mit vorzüglichen seelischen Anlagen und äußerer Bildung, mit reicher Menschenkenntnis und der Kunst, Menschen zu lenken, wurde er nun in diesem Haus am Markt gleichsam ein Gastgeber reifer Weisheit und guten Rates sowohl für Mitbürger wie für seine vornehmen fremden Gäste.


Marien-Apotheke Rothenburg · Marktplatz 10 · 91541 Rothenburg · Deutschland · Tel. 09861 94430 · Fax 09861 94435 · Email info@marien-apotheke.biz