Ein historisches Mosaik, Teil 1:  Erste Spuren des Hauses verbrieft 1142...., Staufer I

"Wer einmal in Rothenburg ob der Tauber gewesen ist, kennt sie, die alte Apotheke am Markt mit ihrem Erker. Und dem, der noch nicht dort war, ist sicher irgendwo eine Abbildung von ihr unter die Augen gekommen. Denn das Rothenburger Rathaus und über der Straße die Apotheke, das gehört zu den bekannteren deutschen Städtebildern."
aus: Der Sammler, Belletristische Unterhaltungsbeilage zur München-Augsburger Abendzeitung, 15. August 1914

"Das Haus reicht mit seinem Grundbau bzw. seinem Keller nicht bloß tief in die Erde, sondern in die Tiefe der Jahrhunderte, bis zu jener Frühzeit, als Friedrich Barbarossa 1172 Rothenburg das Stadtrecht verlieh. Zeit der Staufer Das Haus als Rathaus Als 1142 Konrad III. hier seine königliche Hofhaltung errichtete, wurde hier ein freier Raum geschaffen für die Wagenburgen der Gesandtschaften, die von Rom oder Byzanz oder anderen Städten hierher kamen, sowie für die den Gesandtschaften folgenden Begleiter, Händler, Handwerker u. a., ein "Markt".
Das Haus des Marktrichters, das "Fleischhaus" hinter dem Herterichsbrunnen, das zunächst den Markt beherrschte, steht noch. Es war das "steuerfreie Haus des kaiserlichen Stadtschultheißen". 30 Jahre später gab Friedrich Barbarossa der Siedlung Rothenburg, die er 1167 nach dem Tode "des Herzogs Friedrich von Rothenburg" geerbt hatte, das Stadtrecht sich selbst zu verteidigen und zu verwalten, und damit die Notwendigkeit, ein Haus der Selbstverwaltung, ein Rathaus, zu erbauen neben dem Haus des Stadtschultheißen.
Damit entstand hier auf der Stätte der heutigen Marien-Apotheke "das älteste Rathaus der Stadt Rothenburg o. Tbr". Ein Haus, das nicht mehr steht, von dem wir uns aber noch eine Vorstellung machen dürfen und können. Der Grundriß und die Grundmauern sind ja im Keller noch gegeben, den Aufriß müssen wir uns gestalten nach dem Muster anderer Bauten, die aus der Zeit der Staufer noch herüberragen in unsere Zeit.
Das Kellergewölbe hat eine Länge von 12 m und eine innere Gewölbebreite von 5,50 m. Die Grundmauern des Gewölbes haben eine Dicke von 1,9 m. Der Keller und damit das alte Rathaus haben also eine Gesamtbreite von 9,3 m, wovon auf die Mauern 2/5 entfallen. Die Wucht der Mauern zeigt, daß man ihnen zumutete, eine "hohe Last" zu tragen. Wir müssen erachten, daß dies Haus mehr hoch als breit war. Damit tritt das Gebäude in bauliche Verwandtschaft mit anderen turmartigen Gebäuden der Stauferzeit, wie sie noch zu sehen sind an dem Turm im Hinterhof des Hauses Nr. 20 in der Herrngasse, oder in dem Wohnturm zu Detwang, oder in dem vor 100 Jahren abgerissenen Wohnturm zu Burgstall, oder in dem von Heinrich Toppler 1386-1388 als Nachbild geschaffenen "Kaiserstuhl". Das alte Rathaus müssen wir uns ähnlich gebaut vorstellen: Unten ein Steinbauwürfel, darüber ein hoher Oberbau in Fachwerk. Solche turmartige Rathäuser gab es im Mittelalter. Denken wir nur an den "Grafen-Eckards-Turm" in Würzburg.
Schmal mußte sich das alte Rathaus mit seinen 9 m Breite ausnehmen, neben dem mächtigen, 15 m breiten und 15 m langem Steinblock des Hauses, das dem kaiserlichem Schultheißen diente. Aber gerade dieser Gegensatz ist bezeichnend für das Rangverhältnis, das in der Stauferzeit galt. Der kaiserliche Stadtschultheiß war der eigentlich Regent der Stadt; die Schöffen der Stadt, die ihm nun seit 1172 beigeordnet waren, waren ihm untertan. Noch Kaiser Friedrich II. verfügte, daß sich die bürgerlichen Stadtverwaltungen dem kaiserlichem Schultheißen unterzuordnen zu hätten. Diesem Rangverhältnis gab das alte Rathaus mit seinem schmalen Giebel Ausdruck. So galt es bis zum Ende der Stauferzeit. 1240, als in der Beckengasse hinter dem Hause des Stadtschultheißen der große Brand ausbrach, fiel die verheerende Flamme auch in das Haus des Stadtschultheißen wie in das Rathaus der Bürger, und die Fachwerkaufbauten, einschließlich ihrer Urkunden, gingen in Rauch auf.

 


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